Gebrauchtwagenkauf - Fragen

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Da hier im Forum immer wieder Anfragen zum Autokauf aufkommen, bei denen die Beantwortung völlig sinnlos ist, hier ein kleiner Ratgeber zum Thema


Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] 1. Geiz macht Geil & Dumm

Das billige Superschnäppchen gibt es nicht.
Es stellt sich die Frage, warum man dann Angebote durch andere Forenteilnehmer sichten lassen will, bei denen einem selbst schon nicht wohl im Bauch ist?
Sich Hilfe zu suchen ist ja nichts verkehrtes.
Aber mal ehrlich:
Manchmal kommt es einem bei dem einen oder anderen Beitrag schon vor, als wolle sich der Beitragsersteller eine Absolution für die eigene Dummheit holen.
Stellt euch umgekehrt die Frage was Ihr für euer Fahrzeug haben wollt, solltet Ihr es im guten Zustand verkaufen.
Das gebt Ihr doch auch nicht aus Nächstenliebe für ein paar Tausend Euro billiger her.
Also gilt: Keiner hat was zu verschenken.
Mit ein bisschen gesunden Menschenverstand sollte man eigentlich selbst Angebote mit betrügerischer Absicht erkennen.

[bearbeiten] 2. Forenspezialisten?

Kein Forenteilnehmer kann hier eine Ferndiagnose stellen oder wird euch guten Gewissens zum Kauf raten können. Schon gar nicht, wenn er das Angebot selbst nicht besichtigen kann.


[bearbeiten] 3. Vor dem Kauf

Wenn euch ein Auto ernsthaft gefällt, nehmt euch einen sachkundigen Bekannten mit, oder fahrt mit dem Auto bei der Probefahrt zur Dekra oder zum TÜV und lasst euch ein eigenes Gebrauchtwagengutachten machen.
Das kostet nicht die Welt und ist allemal besser investiert als ein paar Tausender für eine Gurke auszugeben.
Nie ein Auto nur aus dem Internet kaufen.
Lasst euch vom Verkäufer oder Händler nicht dazu nötigen, das Auto auch wirklich abzunehmen um überhaupt eine Probefahrt machen zu dürfen.
Falls Ihr vor dem Kauf zu irgendetwas genötigt werdet: Gehen!
Dann stimmt was nicht.

[bearbeiten] 4. Nachrüsten

Das ist meist teurer als wenn man sich das gewünschte Zubehör gleich zulegt.
Das gilt immer für legale Xenon- Scheinwerfer Nachrüstungen, PDC (vorne beim 8P/A ab MJ2009), SRA, ALWR, Multifunktionslenkräder, oder Sportlenkräder (wg. der Airbags).
Airbags dürfen nur von speziell geschultem Personal eingebaut werden.
GRA ist dagegen meist einfach nachzurüsten.
Das soll nur ein Anhaltspunkt sein und erhebt keinen Anspruch auf jedes Ausstattungsmerkmal.
Es soll auch keine Liste werden was günstig ist und was nicht.
Dazu bitte die Forensuche benutzen.

[bearbeiten] 5. Betrug via Internet

Das Vorgehen der Betrüger ist in Variationen immer das selbe:

Bildbeschaffung:
Fotos werden von anderen Verkäufern "geklaut".
Fotos werden selbst vor Autohäusern fotografiert.
(Die Autos verkauft aber wer anderes)
Es werden X-beliebige Fahrzeuge irgendwo parkend fotografiert.
Fotos werden in Autohäusern gemacht.
Es werden Benutzerkonten gehackt (Meist mit Hilfe von Phishing).

Phishing: [1]

Kontaktaufnahme:
Es stehen zwar irgendwelche Händleradressen, Privatadressen oder ähnliches drin, es wird aber gebeten, ausschließlich die eine im Bild angegebene Mobiltelefonnummer oder E-Mail Adresse zu kontaktieren.
Oft wird auch eine fiktive Briefkastenadresse genannt.
Die liegt meist im EU Ausland.
Sehr oft: UK oder IRL da bei Polen schon alle Glocken läuten sollten.

Die Story:
Auto deshalb so billig weil: Import, Steuerfrei, Direktkauf, Masseneinkauf, Autohaus- Pleite, Konkursmasse, Notverkauf, toter Opa, totes Einhorn, etc...

Der Betrug - Story:
Vorzahlung für irgendwelche Leistungen, Sicherheiten, Kaufabsichtsversicherung (mit Anrechnung/Verrechnung beim Kauf), Pfandleistung (für Papiere, Schlüssel, Anmeldung, Carnet CDP....)
Maklergebühren - die vor Kauf entrichtet werden sollen.
Fällige Notargebühren.
Meist wird der sog. "Zeithebel" angesetzt. "Mehrere Interessenten", für das Auto würde bereits jemand anreisen - dann ist die "einmalige Chance" weg, Auto wäre schon erfolgreich an einen Landsmann verkauft, der holt das morgen ab, aber man hätte, wenn man sich beeilt nochmal das identische Schwesterfahrzeug auf dem Hof, (auch mehrere in derselben oder in anderen Farben mit identischer Ausstattung.
Stichwort Firmenflotte/Firmenpleite)- und so weiter...
Lasst euch nicht unter Druck setzten.
Das ist die erste Verkäufermasche überhaupt.

Der Betrug - Geldfluss - Ihr als Käufer:
Bargeldtransfer via Western Union oder MoneyGram:
Das sollte man nur dann verwenden, wenn sich die Partner kennen.
Das vergessen aber viele aus Dummheit.
Western Union oder MoneyGram sind nicht per se schlecht.
Aber eben nur, wenn sich die Partner kennen und sich vertrauen.
Sollte man Käufe über einen vertrauenswürdigen Partner im Ausland abwickeln lassen, keinesfalls den Namen oder die Adresse des Bekannten an den Verkäufer weitergeben.
Betrüger könnten sonst trotzdem leicht ans Geld kommen.

Treuhand Services:
Diese müssten vom jeweiligen Verkaufsportal überhaupt angeboten werden um auf der rechtlich einwandfreien Seite zu sein.
Nur gibt es solche Treuhandservices bei den meisten Portalen gar nicht.
Die von den Betrügern vorgeschlagenen, sind allesamt Fake.
Bei solchen Deals nie die Adresse, den vollständigen Namen und echte Geburtsdaten angeben.
Diese Daten können gerade in Verbindung mit dem echten Geburtsdatum aufgrund allzu auskunftsfreudiger Datensammler wie Schufa oder Creditreform etc. leicht zum Identitätsdiebstahl verwendet werden.

Der Betrug - Geldfluss - Ihr als Verkäufer:
Niemals Schecks akzeptieren - falls Ihr der Verkaufende seid.
Nur Bares ist Wahres! Banknoten per UV und Stift testen!
Nie den Differenzbetrag bei überzahlten Schecks zurück überweisen.
Ihr zahlt zurück - der Scheck ist gefälscht oder gestohlen, dann habt Ihr den Salat.

Zertifikate:
Lasst euch bloß nicht mit Zertifikaten über den Tisch ziehen.
Es ist auch so ein Masche.
"Wir sind Anno 2001 von eGay als "Rustseller#1" für garantierten Schrott zertifiziert worden".
"Null von 815 Käufern können nicht irren"
Ich denke Ihr wisst was ich damit sagen will.
Diese Art von Zertifikaten sind die gekippten Bits nicht wert, mit denen sie auf den Server geladen werden.

Mails:
Vorsicht vor Phishingmails wenn ihr so unvorsichtig wart, euer Leben im Netz auszubreiten, weil ihr auf "Fressebuch" und in Foren die selben Mailkonten und Nutzerfotos nutzt.
Da kann es schnell passieren, dass euch ein vermeintlich wohl gesonnener Forenkumpel ein unwiderstehliches Notverkaufsangebot macht.
Ebenso werden auch immer wieder vermeintliche Angebote von den Verkaufsportalen selbst gesendet.
Diese sind zu 99,999 % Fake und dienen nur dem Phishing.
Gebt nie direkt Mailadressen oder Telefonnummern im Portal an, falls ihr übers Netz verkauft.
Lasst das Portal vermitteln!
Kaufvertrag via Mail:
Ganz perfide, ist der Kaufbetrug, wenn der Käufer eine Mail mit Adresse und Namen verlangt weil er kaufen will.
Nun wird diese Mailantwort (Bestätigungsreihenfolge) gefälscht und der Käufer besteht auf der Erfüllung der Bestätigung zu dem von Ihm wesentlich niedrigeren eingesetzten Preis, bzw. der Erfüllung des Kaufvertrags via Mail.
Auch wird gerne versucht, einen Schadensersatz zum Betrag xxx einzufordern, wenn das Fahrzeug schon verkauft ist.
Daher gilt immer den Grund für die Mail mit in die Nachricht zu schreiben.
Also: Ich übermittele ihnen die Adresse und meinen Namen zur Anbahnung eines Besichtigungstermins für den Kauf des Fahrzeugs..XYZ zum Preis von xxxxxx.
Jegliche Korrespondenz ist in jedem Fall auch noch lange nach dem Kauf aufzuheben und zu sichern.

Verkaufsdiebstahl:
Im Falle Ihr verkauft ein Fahrzeug, nimmt der Betrüger mit euch Kontakt auf.
Er bittet um einen Scan der Fahrzeugpapiere.
Damit habt Ihr ihm neben der Adresse auch eure Fahrzeugdaten übermittelt.
Einem Klau mit bereits gefälschten Papieren steht dann nichts mehr im Weg.
Im Umkehrschluss werden die Daten aber auch verwendet um in eurem Namen einen Betrug zu begehen.
Nicht wundern, wenn dann bald grüne Männchen bei euch Einlass fordern.

Melden!
Wenn ihr auf den Verkaufsportalen auf fadenscheinige Angebote stoßt, meldet diese dem Portalbetreiber sofort.
Nicht hier ins Forum gehen, um den Link einzustellen um sich dann gemeinschaftlich darüber aufzuregen.
In der Zeit könnte es schon wieder einen erwischt haben, an dem der Kelch der Erkenntnis gefühlte 300000 Km vorbeischwappte.

[bearbeiten] 6. Kauf vor Ort

Wenn Ihr euch nicht auskennt, nehmt jemand mit der es tut.
Ich will hier keine große Abhandlung schreiben, daher nur kurz die Mindestpunkte auf die man achten muss:

- Spaltmaße (Unfall)
- Zustand des Motoröls (milchiges Öl bedeutet Zylinderkopfschaden oder defekte Kopfdichtung)
- Feuchtigkeit / Wasser im Fußraum, Kofferraum (Dichtungen verschlissen, Durchrostungen etc.)
- Reifen ungleichmäßig abgefahren (Unfall, Rahmen verzogen, Spur verstellt...)
- Ruckeln am Reifen erzeugt knacken / knarren (evtl. Lagerschaden)
- Kupplung funktioniert nicht richtig beim anfahren am Berg (Verschleiß)
- Schlagen am Unterboden (evtl. Kardanwellenlager defekt)
- Lenkung hat zu großes Mittelspiel (Lenkgetriebe, Lager ausgeschlagen)
- Bei flott gefahrenen Kurven versetzt das Fahrzeug bei Bodenwellen (Stoßdämpfer)
- Metallisches lautes Kratzen beim Bremsen (Beläge und Scheiben hinüber)
- Lenkung zieht beim Bremsen einseitig bei gerader Strecke (Spureinstellung oder Bremsen defekt)
- Abnutzung an Bedienelementen (Lenkrad Pedale...) passt nicht zum geringen Kilometerstand
(Es wurde wahrscheinlich am Tacho gedreht)
- Vorsicht auch bei all zu dick aufgetragenem Unterbodenschutz.
(Das soll meist eingeschweißte Bleche kaschieren)
- Das Serviceheft sollte lückenlos vorliegen. Ist kein Serviceheft vorhanden, besser Finger weg. Auch "durchgestempelte" Servicehefte sind unglaubwürdig.

[bearbeiten] 7. Garantie und Sachmängelhaftung - Wie jetzt?

Sachmängelhaftung:
Ein Händler muss beim Verkauf eines Gebrauchtwagens mindestens ein Jahr für Mängel am Fahrzeug geradestehen.
Der Ausschluss der Sachmängelhaftung ist nicht zulässig.
Nichtigkeitsklauseln im Vertrag wie "Gekauft wie gesehen" oder "Fahrzeug wird unter Ausschluss der Gewährleistung /Sachmängelhaftung verkauft" sind von vorne herein unwirksam.
Händler versuchen aber immer wieder solche Klauslen in ihren Kaufverträgen verwenden.
Lasst euch davon nicht beeindrucken. Das müsst Ihr nicht akzeptieren.
Bei Sachmängeln hat man also Anspruch auf eine Nachbesserung.

Gebrauchtwagengarantie:
Eine "Gebrauchtwagengarantie" kann euch der Händler verkaufen.
Nehmen müsst Ihr die nicht unbedingt.
Korrekter Weise sollte man von einer Reparaturkostenversicherung sprechen.
Je nach Händler kann diese zwischen 100 und 300 Euro Kosten und läuft meist ein Jahr.
Es kann sein, das wenn Ihr so eine Versicherung nicht abschließen wollt, der Händler aber nicht an euch verkauft.
Das ist soweit Rechtens. Der Händler muss euch nichts verkaufen.

Sachmangel versus Garantie?:
Beim Sachmangel müsst Ihr (Gutachter) nachweisen können das der Mangel schon vor dem Verkauf bestand. Bei der Garantie reicht es, dass der Mangel wie üblich innerhalb der Garantie auftritt. Die Faustregel hier: Innerhalb von 6 Monaten wird man es eher als Sachmangel sehen, danach als Garantiefall. Nach den 6 Monaten müsst Ihr einen Sachmangel i.d.R. also nachweisen.

Achtet bei der Garantie darauf was alles versichert ist!

Rücktritt vom Verkauf bei Mängeln:
Es müssen erst zwei Nachbesserungsversuche, wegen desselben und erheblichen Mangels vom Verkäufer ausgehend, hingenommen werden.
Klappt das nicht, kann man von Vertrag zurücktreten.
Wichtig: Nicht Ihr dürft das Fahrzeug in die Werkstatt gebracht haben, sondern immer der Verkäufer.
Wenn dieser zustimmen sollte, dass Ihr eure eigene Werkstatt aufsuchen könnt, lasst euch das schriftlich geben.
Eine von euch selbst eingeleitete Nachbesserung gilt nicht.


Nun gut, ich werde den Beitrag mit der Zeit noch etwas ergänzen.
Ich hoffe aber er gibt euch jetzt schon ein wenig Orientierung.



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Grüße TRT






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